Cross-Country-Rennen werden in immer höherem Maße bergab gewonnen, diese Erkenntnis greift in Profikreisen um sich. Die deutschen Mountainbike-Profis trainieren verstärkt Fahrtechnik, unter anderem am Landesstützpunkt NRW in Winterberg. Und zwar mit Erfolg. Doch auch vielen Hobbyfahrern würde Fahrtechniktraining bergab nicht nur die notwendige Schnelligkeit bringen, sondern auch mehr Sicherheit, meint unter anderem Ex-Europameisterin Birgit Jüngst.
Während die internationale Elite fahrtechnisch noch die Nase vorn hat, holen deutsche Fahrer zurzeit kräftig auf. Am neu ernannten Leistungstützpunkt Winterberg trainiert NRW-Landestrainer Clemens Zörner mit seinen 20 Schützlingen im Bikepark Winterberg. „Fahrtechniktraining wird für uns immer wichtiger“, ist er sich sicher. Während die deutschen Fahrer bergauf sehr stark sind, gehen wertvolle Sekunden an brisanten Abhängen verloren. „Die richtige Technik lässt sich in einem Bikepark sehr gut trainieren. Die Strecken sind optimal, es gibt Kurven, steile Abhänge und Wurzelpassagen“, so Zörner.
Fahrtechniktraining im Bikepark ist besonders intensiv, da sind sich die Profis einig. „In Deutschland gibt es selten ein geeignetes Gelände“, hat auch Birgit Jüngst erfahren. Im Bikepark sind die Strecken nach unterschiedlichen Kriterien angelegt. Welche Strecken gefahren werden, entscheiden die Fahrer nach Leistungsniveau, Geschmack und Trainingsziel. Hoch geht es ganz einfach im Sessellift. „Wenn ich in den Alpen erst kilometerweit bergauf fahren muss, habe ich danach gar nicht mehr die Konzentration für ein gutes Fahrtechniktraining bergab“, weiß die Europameisterin. Im Bikepark können zahlreiche Fahrten bergab an einem Trainingstag gemacht werden, was dem Trainingseffekt sehr zugute kommt.
Dass zu ihrer aktiven Zeit das Augenmerk mehr auf Kraft und Ausdauer lag und die Fahrtechnik vernachlässigt wurde, bedauert Birgit Jüngst sehr. „Ich hätte 2003 Weltmeisterin werden können. Ich war super in Form und bin bergauf an allen vorbei gezogen. Aber ich war bergab einfach nicht schnell genug.“ Mittlerweile gibt sie im Bikepark Winterberg Fahrtechnikkurse für Frauen.
Am Leistungsstützpunkt Winterberg können die Kaderathleten kostenfrei im Bikepark trainieren. In Streckenvielfalt und –pflege ist er deutschlandweit führend, das haben auch die Kaderfahrer bemerkt. „Wir kennen einige deutsche Bikeparks und bemerken schon deutliche Unterschiede“, so Zörner.
Während in Profikreisen die Erkenntnis um die Bedeutung der Fahrtechnik bei Cross-Country-Rennen immer weiteren Raum einnimmt, hat sie in den Reihen der Hobbyfahrer noch wenig Einzug gehalten. Dabei könnten auch sie davon sehr profitieren. „Mit einer guten Fahrtechnik ist man nicht nur schneller, sondern fährt an brisanten Passagen auch weitaus sicherer“, bestätigt Jüngst.
Doch das geht nicht überall, erklärt der Landestrainer. „Ausdauer und Kraft können unsere Fahrer an jedem beliebigen Ort trainieren, Fahrtechnik aber nur im Bikepark.“ Was das bringt, beweisen die NRW-Kaderathleten sehr eindrucksvoll. Der noch junge Landestützpunkt zeigt eine rasante Entwicklung. Markus Schulte-Lünzum gehört zu den besten deutschen Fahrern. Bei der Europameisterschaft belegte er Platz sechs.

